Grundgedanke
Das Institut für Kulturforschung Heidelberg wurde als europäisches Forschungsnetzwerk junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Heidelberg mit dem Ziel gegründet, die wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie den intellektuellen Austausch auf internationaler Ebene und außerhalb des universitären Rahmens zu ermöglichen und zu fördern. Das Institut versteht sich als Kreuzungspunkt für fachübergreifende Debatten und anspruchsvolle intellektuelle Arbeit und Forschungen auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften im weitesten Sinne.
Heidelberg war in der Vergangenheit immer wieder Brennpunkt theoretischen
sowie kritischen Denkens und ist bekannt für eine bedeutende kulturwissenschaftliche
Tradition. Sie verbindet sich mit Namen wie Max Weber, Georg Lukács, Wilhelm
Windelband, Heinrich Rickert,
Gustav Radbruch, Hannah Arendt, Karl Jaspers, Dolf Sternberger, Karl Löwith
und nicht zuletzt auch Hans-Georg Gadamer. Immer wieder trafen hier lokale
und internationale Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen und
Intellektuelle zusammen, um Fragen ihrer Zeit unter Einbeziehung neuer
Denkansätze zu reflektieren. Mit der Entscheidung für Heidelberg
als Sitz des Instituts verbindet sich das Bekenntnis zu dieser Tradition
mit dem Anspruch, sie unter den veränderten politischen, sozialen
und kulturellen Bedingungen der Gegenwart zu erneuern.
Um Gegenwartsprobleme und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch fassen
und angemessen beschreiben zu können, scheint die Öffnung für
alle seriösen avancierten Ansätze und Methoden im Spektrum gegenwärtiger
Kulturforschung unverzichtbar. Dazu gehört nicht nur die in Heidelberg
bisher wenig beachtete Kritische Theorie, oder die poststrukturalistischen
Theoriebildungen, sondern auch die weltweit etablierten Cultural, Postcolonial
und Science and Technology Studies sowie die Öffnung für neuere
Disziplinen wie die Medientheorie oder die Bildwissenschaften sowie auch
künstlerische Ausdrucksformen.
Die Arbeit des Instituts wird vom persönlichen Engagement seiner Mitglieder getragen, die regelmäßig im Rahmen von Workshops, Tagungen, Vortragsreihen und Einzelvorträgen sowie Projekt- bzw. Forschungsgruppen zusammenkommen. Seit der Gründung sind der Netzwerkgedanke und die Organisation der Zusammenarbeit um selbst entwickelte Projekte entscheidend für die Arbeit des Instituts. Diese bewußt gewählte Form der Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene soll eine Diskussionskultur ermöglichen, in der die Offenheit für Unterschiede und unterschiedliche Sichtweisen und Verortungen keine abstrakte Forderung bleibt. Diese Arbeitsweise soll Debatten weiter- und zusammenführen, die im „Streit der Fakultäten“ andernfalls nicht zusammenkämen. Es gilt, unkonventionelle Denkwege zu erproben, die den in den Wissenschaften üblichen Rationalitätsstandards genüge tun, aber von den Einzelwissenschaften selbst nicht geleistet werden können.
Zu anspruchsvoller Kulturforschung gehört stets auch die Reflexion
auf Bedingungen wissenschaftlicher Arbeit. Sie bezieht ihre Geltungskraft
immer auch aus der „Parteinahme“ der Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler. Die Berücksichtigung der eigenen Positionierung zur
Gesellschaft in einer Zeit prekärer Beschäftigungsverhältnisse
insbesondere für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler
gehört daher ebenso zum Selbstverständnis des Instituts wie ein
verantwortliches Verhältnis zu Macht und Hierarchien. Daher versteht
sich das Institut nicht zuletzt auch als ein sozialer Raum, wo Akademikerinnen
und Akademiker unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem institutionellem
Hintergrund oder Anbindung kollegial und frei von Konkurrenzverhältnissen
zusammenarbeiten und sich austauschen können.
Die Projekte des Instituts werden von interessierten Mitgliedern in eigener Initiative entwickelt und über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Sie werden dabei vom Direktorium und einem wissenschaftlichen Beirat konzeptionell und inhaltlich unterstützt. Wir laden Sie ein, sich über die Themenschwerpunkte und Projekte auf diesen Seiten zu informieren, mitzudenken und mitzuwirken.
