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STS-Auftaktworkshop "Reflexive Praktiken"

Abendvortrag Dr. Michael Schillmeier (LMU München):
Die Zukunft der Science and Technology Studies
Votrag als mp3-Audiodatei

Im Kontext des Projektbeginns laden das Institut für Kulturforschung Heidelberg und die Organisatoren Carsten Ochs, Paul Gebelein und Tonia Davidovic-Walther am 8./9. Oktober 2010 zu einem ersten STS-Workshop bei der GEW-Hessen im Zimmerweg 12, Frankfurt am Main, ein.

Die Science and Technology Studies (STS) zeichnen sich seit jeher dadurch aus, dass sie theoretische und konzeptuelle Fragen empirisch reformulieren, bearbeiten und überprüfen. Von Anbeginn wurde aus ihren Reihen gefordert, die Prozesse und Beschreibungen natur- und technikwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung empirischen Untersuchungen aus dem Bereich der Sozial- und Kulturwissenschaften zugänglich zu machen. So stellte v.a. das durch David Bloor begründete Strong Programme Mitte der 1970er Jahre eine Zäsur im Denken über die exakten Wissenschaften dar. Indem die Edinburgh School der Sociology of Scientific Knowledge (SSK) nach den sozialen Faktoren für den Ausgang wissenschaftlicher Kontroversen fragte und diese durch empirische Forschung untersuchte, ließen sich einseitige Selbstbeschreibungen der Natur- und Ingenieurwissenschaften korrigieren. Bei allen Unterschieden hat sich diese ausgeprägt "empirische" und "konstruktivistische" Fundierung der STS als gemeinsamer Nenner der verschiedenen Strömungen innerhalb des Feldes erhalten: vom Empirical Programme of Relativism der Bath School, über die Laborstudien, die Forschungen zur sozialen Konstruktion von Technologien (SCOT) und zur Evolution großtechnischer Systeme, bis hin zur Akteur-Netzwerk-Theorie.

In den letzten Jahren hat darüber hinaus eine äußerst variationsreiche Ausdifferenzierung hinsichtlich der Gegenstände der STS stattgefunden. Die Hinwendung zu Fragen nach den "Gesetzen der Märkte" (Callon, Preda) ist genauso zu beobachten, wie ein verstärktes Interesse an der Produktion "lebenswissenschaftlichen Wissens" (Mol, Singleton) und der Herausbildung "globaler Mikrostrukturen" (Knorr-Cetina, Bruegger). Kognitionswissenschaftliche (Hutchins, Giere) und post-koloniale Spielarten der STS (Adams, Anderson) sind entstanden.

Der Untersuchungsbereich wird also um eine immer größere Fülle von Gegenständen erweitert. Dabei machen sich die ForscherInnen der STS eine Vielzahl unterschiedlichster Denktraditionen und Arbeitsweisen zu Nutze, wie z.B. die Ethnomethodologie (Lynch), die Social Worlds Analysis (Clarke, Leigh Star), die Feminist Studies (Suchman), oder auch poststrukturalistische Wissensbestände (Law).

Diese drei Aspekte -- die empirische Fundierung des erzeugten Wissens, die Ausdifferenzierung der durch die STS bearbeiteten Gegenstandsfelder sowie der Variantenreichtum ihrer Forschungsperspektiven -- lassen deutlich werden, dass die Frage danach, was die STS sein und was sie leisten könnten, worin ihr Potential besteht und wohin sie weiter entwickelt werden könnten oder sollten, am besten gestellt werden kann, indem danach gefragt wird, wie man die STS zur Anwendung bringt: wie kann der "Werkzeugkasten" der STS fruchtbar gemacht werden? Und worin bestehen die "Tools" der STS?

Der Workshop hat sich zum Ziel gesetzt, genau diese Frage(n) aufzuwerfen. Er wendet sich unabhängig von der jeweiligen Zugangsweise (historisch oder zeitgenössisch, diskursanalytisch oder ethnographisch) und den jeweils fokussierten Gegenständen (Reproduktionsmedizin oder Digital-Computer, Finanzderivate oder Ausgrabungstechniken) an alle interessierten Workshop-TeilnehmerInnen mit der Anfrage, wie sie sich in ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit auf die STS beziehen, und wie sie deren Modelle zum Einsatz bringen.

Vor allem soll es darum gehen, Grenzen und Herausforderungen zu identifizieren, an denen das bestehende Instrumentarium der STS gerade nicht mehr weiter hilft. Auf diese Weise soll ermittelt werden, in welche Richtung sich zukünftige Forschungsaktivitäten bewegen könnten: wo könnten, sollten oder müssten Brücken zu anderen Forschungsbereichen geschlagen werden, weil die Methoden der STS zu kurz greifen? Welchen Gegenstandsbereichen, Arbeitsweisen und Brennpunkten sollte zukünftig verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden, um die Erkenntnis-Produktion der STS zu erweitern? Wie könnten neue Konzepte und Methoden der STS beschaffen sein? Wie wären bestehende Modelle zu reformulieren, um etwaige, bisher schwerlich analysierbare Phänomene der empirischen Untersuchung zugänglich zu machen?

Der Workshop hat sich nun nicht die unlösbare Aufgabe gestellt, diese Fragen umfassend zu beantworten oder gar einen Wesenskern der STS zu proklamieren, sondern rückt die Un/Brauchbarkeit der Werkzeugkiste STS in Bezug auf die Forschungsarbeiten seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Zentrum des Interesses.

Auftakt-Workshop, 8.-9.10.2010
Ort: GEW Hessen, Zimmerweg 12, 60325 Frankfurt/M.

Um Anmeldung bis zum 30. Juni 2010 wird gebeten unter:
ochs[at]kulturforschung-hd.de

Das Programm finden sie hier

 

   
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