spacer Spacer Spacer Spacer
  Logo   Spacer
spacer Spacer
     
       
    Filler

Dirk Hommrich:

Theatrum cerebri
Studien zur visuellen Kultur der populären Hirnforschung

Köln 2019. Herbert Halem Verlag, broschiert, 568 Seiten, zahlreiche Abbildungen und 10 Tabellen, € 41,-, ISBN 978-3-86962-434-1


Theatrum cerebri
Studien zur visuellen Kultur der populären Hirnforschung

Klagenfurter Beiträge zur Visuellen Kultur, Band 8

Die neurowissenschaftliche Forschung verfügt über Methoden und Techniken, um das Gehirn in Struktur und Funktion bildhaft darzustellen. Man bezeichnet diese Technologien als ›Hirnbildgebung‹ oder auch ›Neuroimaging‹. Die daraus resultierenden Darstellungen geben nicht nur Wissenschaftlern Aufschluss, sie steigern auch die öffentliche Wahrnehmung und Popularität dieses Feldes. Vor diesem Hintergrund betrachtet die vorliegende Studie am Beispiel der sogenannten ›Neurodidaktik‹ und ›Neuropädagogik‹ (des ›gehirngerechten‹ Lehrens und Lernens) die Inszenierung der Neurowissenschaften und die Suggestivkraft, die visuelle Darstellungen im zeitgenössischen Wissenschaftsjournalismus mithin entfalten.

Die Zeitschrift Gehirn & Geist (2002 bis 2015) kann als zentrales Medium populärer Wissensangebote der Hirnforschung gelten. Sie dient in diesem Buch exemplarisch als Untersuchungsgegenstand und wird qualitativ und quantitativ auf ihre textlich-thematischen und visualitätsbezogenen Strategien hin analysiert. Gleichzeitig werden auch die Taktiken des konvergenten Wissenschaftsjournalismus, die Partizipationsangebote, das szientistische Plaudern sowie die neuropopuläre Bildpolitik am Beispiel der Gehirn & Geist analysiert.

Serialität ist dem Medium Zeitschrift inhärent, auch in Hinblick auf den Einsatz von Bildern: Durch einschlägige visuelle Mittel und die Bezugnahme auf vorherige und viel gesehene Bilder wird öffentliche Aufmerksamkeit für die Neurowissenschaften erzeugt. In der populären Hirnforschung findet dabei eine rhetorische Verschränkung von Wissenschaftlichkeit (beispielsweise in Form des vermeintlich evidenten Hirnbildes) mit Alltagsbezügen (etwa durch die Verwendung popkultureller Bilder) statt. Auf diesem Weg wird visuell eine ›Lebensnähe‹ und ›Praxistauglichkeit‹ neurowissenschaftlichen Wissens nahegelegt, die keinesfalls notwendigerweise wörtlich kommuniziert werden müssen, um doch lanciert zu werden. Nicht nur wissenschaftlich generierte Datenbilder sind daher für die öffentliche Aufmerksamkeit für die Hirnforschung ausschlaggebend, sondern auch eine ganze Reihe gewöhnlicher, nicht-wissenschaftlicher Gebrauchsbilder, mit denen Neurothemen in Szene gesetzt werden.

Diese medienphänomenologische Arbeit nutzt Konzepte der (kritischen) Begleitforschung, um zu zeigen, wie sich das Regime der Sichtbarkeit der Neurowissenschaften von früheren Formen der Popularisierung unterscheidet, und kommt zu der gleichermaßen wissenschafts- und technikphilosophischen, bildphänomenologischen und sozialphilosophischen Diagnose, dass die populäre Hirnforschung mit ihrem zeitgenössischen Bilderrausch auf die nächste ikonophile Phase zusteuert.

 

   
Spacer English Version
Spacer