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Reinhard Heil/Andreas Hetzel/Dirk Hommrich (Hrsg.):

Unbedingte Demokratie
Fragen an die Klassiker neuzeitlichen politischen Denkens

 

Nomos Verlag, Baden-Baden Juli 2011, broschiert, 245 Seiten, € 39,-,
ISBN 978-3-8329-6238-8


Unbedingte Demokratie. Fragen an die Klassiker neuzeitlichen politischen Denkens

Mit Beiträgen von Raymond Geuss, Andreas Hetzel, Alain Brossat, Michael Hintz, Georg Zenkert, Wim Weymans, Warren Breckman, Marc Ziegler u.a.

Die Politische Ideengeschichte stand lange Zeit unter der Vorherrschaft neukantianischer Ansätze. Die Klassiker wurden vor allem daraufhin befragt, wie sie das Politische in einem ihm selbst vorausgehenden Vernunft- und Wertehorizont zu begründen und dabei insbesondere die Souveränität des Staates zu legitimieren vermögen. Die Beiträge des Bandes stellen demgegenüber die Frage, inwiefern die klassisch-neuzeitlichen Theorien des Politischen bereits Elemente eines radikaldemokratischen Denkens vorwegnehmen, das den Fokus auf die Selbstinstituierung einer Gesellschaft legt, die auf keine externen Gründe zurückgeführt werden kann. Das Politische gilt dann als autonome, sich nicht auf bestimmte Institutionen beschränkende Auseinandersetzung um die jeweilige Gestalt einer Gesellschaft, die von keinem Punkt aus überblickt und gesteuert werden kann. Konzepte wie volontée générale, sensus communis, Gesellschaftsvertrag, Konflikt, Staat, Demokratie, Revolution und Gewaltenteilung werden im Sinne einer „rettenden Kritik“ neu angeeignet und gegen die Legitimations- und Selbstimmunisierungsrhetoriken eines Kapitalparlamentarismus verteidigt, in dessen Rahmen „Demokratie“ immer mehr zu einer medialen Inszenierung verkommt.

Das Werk ist Teil der Reihe Zeitgenössische Diskurse des Politischen, Band 1.

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Vorwort als pdf

»Die Beiträge sind überwiegend informativ und klug argumentiert - so der von Andreas Hetzel über „Demokratie und Besitzindividualismus“ bei Locke oder Wim Weymans' Beitrag über die Gemeinsamkeiten von Arendt und Marx, wie sie sich im Anschluss an Lefort aufzeigen lassen. Zum Teil sind sie aber auch recht voraussetzungsvoll oder zu sehr dem Stil poststrukturalistischer Autoren verhaftet - so der Beitrag von Andreas Oberprantacher zu Foucaults und Agambens Interpretationen von Hobbes oder auch Felix Trautmanns Artikel über Lacoue-Labarthe und Nancy als Leser von Rousseau. Andere Beiträge wiederum sind eher auf einem einführenden Niveau verfasst, wie „Kant und das Ereignis der Revolution“ von Oliver Flügel-Martinsen und Warren Breckmann über die Entwicklung des politischen Denkens von Žižek. Der Eingangsbeitrag von Raymond Geuss zu „Demokratie und Menschenrechte“ sowie der Aufsatz von Michael Hintz über „Radikale Demokratie“ in der Krise" fallen insofern aus der Reihe, als sie mit Nachdruck an die sozioökonomischen Voraussetzungen demokratischer Verhältnisse erinnern, die zumindest gegenwärtig schlichtweg nicht gegeben seien, und zumindest implizit vor den ideologischen Scheuklappen des Diskurses über eine radikale oder auch unbedingte Demokratie warnen. Eine ähnliche Stoßrichtung verfolgt Alain Brossat, wenn er in „Wir Demokraten“ die demokratietheoretische Vereinnahmung radikalen Denkens anprangert. Ihm zufolge leben wir heutzutage in einer „globalen demokratischen doxa“ (S. 88), die depolitisierende Effekte zeitigt. Die häufig zu beobachtende Verklärung ,gefährlicher' Denker wie Foucault zu Fürsprechern der Demokratie ziehe diesen ihren kritischen Stachel. Dies verweist auf eine grundlegende Aporie radikaldemokratischen Denkens, das sich einerseits vom demokratietheoretischen Mainstream Frankfurter Provenienz distanziert, sich andererseits aber zugleich zum gleichen ,Herrensignifikanten' bekennt: der Demokratie.«
Rezension von Dirk Jörke, Neue Politische Literatur, Jg. 57, Heft 1/2012, S. 166f.

»Kann eine unbedingte Demokratie jemals versprechen, allen Gehör zu verschaffen? Oder verharrt das demokratische Projekt für immer im Advent dessen, was es in Aussicht stellt, aber niemals wirklich einlöst? (…) Woher rührt überhaupt dieses „Versprechen“? (…) Wie sollte eine offene Gesellschaft ihr „unbedingtes“ Aufgeschlossensein je bewahren können, wenn nicht darauf zu bauen wäre, dass sie als radikal „aufgeschlossene“ auch in das demokratische Selbstverständnis derer eingeht, die sie in ihren praktischen Lebensformen ertragen müssten? Kommt damit nicht wieder eine kommunitäre Dimension des Politischen ins Spiel (138), von der sich die sogenannten radikaldemokratischen Theoretiker soweit wie nur möglich entfernt halten, weil sie nichts so sehr fürchten wie die Rückkehr zu einer Gemeinschaft, die sich (selbst im Namen ihrer hoch gehaltenen „Offenheit“) abschließt gegen Fremde, denen sie niemals eine unbedingte Gastlichkeit entgegenbringen wird? Ein noch so radikaldemokratischer Diskurs läuft am Ende Gefahr, in der von ihm betriebenen Apologie des Politischen seinerseits merkwürdig unpolitisch zu verfahren (167), wenn er der Frage ausweicht, ob sich zwischen dem verlangten Aufgeschlossensein demokratischen Lebens für unbedingte Ansprüche selbst Fremder (72) einerseits und einer solchen Gemeinschaft andererseits nicht noch dritte Wege denken ließen. Auf viel versprechende Weise eröffnet dieser lesenswerte Band die Schriftenreihe Zeitgenössische Diskurse des Politischen, ohne sich im zerklüfteten Gelände einer radikalen Rhetorik zu verlieren, die ihr erklärtes Ziel – die Rehabilitierung des Politischen – ironischerweise ihrerseits zu depolitisieren neigt, wenn sie diese Fragen nicht aufgreift.«
Rezension von Burkhard Liebsch, Politische Vierteljahressschrift, Heft 2/2012, S. 332f.

 

   
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