Das Institut für Kulturforschung Heidelberg

wurde 1997 von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Heidelberg mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit sowie den intellektuellen und interdisziplinären Austausch außerhalb des universitären Rahmens zu ermöglichen und zu fördern. Das Institut versteht sich als Kreuzungspunkt für fachübergreifende Debatten, und anspruchsvolle geistige Arbeit und Forschungen auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften im weitesten Sinne.

Denken, Wissenschaft, Selbstorganisation

Das Institut für Kulturforschung Heidelberg bietet einen intellektuellen Raum, um das eigene Denken vor dem Hintergrund individueller Bildungswege, wissenschaftlicher Werdegänge und akademischer Spezialisierungen gemeinsam weiterzuentwickeln. Mit „Kulturforschung“ bringen wir unseren Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und anspruchsvolle systematische Beschäftigung mit unseren Themen zum Ausdruck. Wir begreifen unsere intellektuelle Arbeit als fachübergreifende Kultur- und Wissenschaftsreflexion und uns selbst als Forschende, die sich mit Kultur im weitesten Sinne befassen, mit dem, was Lebens- und Alltagswirklichkeit ist und was unser aller Lebensform ausmacht. Dazu schaffen wir Gesprächs-, Diskussions- und Denkzusammenhänge, die auch unserer eigenen wissenschaftlichen Arbeit Impulse geben können, aber keinesfalls müssen.

Selbstständigkeit und zivilpolitische Aufgeklärtheit

Die vorrangigen Ziele des Instituts sind weitgehende Selbstständigkeit und zivilpolitische Aufgeklärtheit. Daher wahrt das Institut für Kulturforschung Heidelberg Distanz zu Ideologien wie dem Populismus, Nationalismus, Fake Science oder Szientismus, um nur einige Beispiele zu nennen. Unser tätiges Institutsleben, unsere geistige Arbeit und Auseinandersetzung mit selbst gewählten Themenfeldern sind für uns Ausdruck von Ernsthaftigkeit, aufmerksamer Sachlichkeit, Problembewusstsein und reflektierter Urteilskraft. Wir halten kritische Distanz zu Real- und Machtpolitik und sind keine weltanschauliche Gruppierung, treten allerdings für Pluralismus, Demokratie und Toleranz ein, ohne diese selbst zu bloß gefälligen Vokabeln verkommen lassen zu wollen. Unsere Überzeugung ist, dass jede Person die Möglichkeit und Kapazität hat, in diesem Sinne am inhaltlichen Profil des Instituts mitzuarbeiten und sich in das Institutsleben einzubringen. Das Institut lebt vom respektvollen Umgang miteinander, von Fairness und gegenseitiger Unterstützung. Wir interessieren uns für das, was andere denken und tun.

Spielraum für …

Unser Bezugspunkt ist Wissenschaft, verstanden als rationale epistemische Praxis, die auch in nicht-akademischen Denkräumen und Orten der Reflexion stattfindet. Wir möchten eine dauerhafte Arbeit an Themen ermöglichen, die uns Mitglieder verstärkt beschäftigen und für die wir andernorts keinen institutionellen Rahmen haben. Das Institut für Kulturforschung Heidelberg orientiert sich an einem situationsbewussten Universalismus des Denkens. Wir verstehen die kontinuierliche intellektuelle Arbeit des Instituts, die Zeit und Energie, die es dafür braucht, als von den Mitgliedern bewusst in Kauf genommenen Luxus, den wir uns unabhängig von Verwertungszwängen leisten wollen. In diesem Sinn ist das Institut ein Versuch, der seit fast einem Vierteljahrhundert erfolgreich andauert und bei dem wir die denkerische Auseinandersetzung bei aller Ernsthaftigkeit stets mit Lust an der Erkenntnis verfolgen.

Freiraum von …

Wissenschaft ist zwar unser Bezugspunkt, allerdings verstehen wir darunter keineswegs bestimmte Formen der zeitgenössischen Wissenschaftsbetriebsamkeit, des professionalistischen Spezialistentums oder des beflissenen Nacheiferns akademischer und intellektueller Moden. Vielmehr soll die Arbeit des Instituts für Kulturforschung Heidelberg Unabhängigkeit von Drittmitteldruck, Schulenbildung, Eventisierung oder Kulturmanagement und damit verbundenen Organisations- und Distinktionszwängen ermöglichen. Daher versteht sich das Institut für Kulturforschung als Netzwerk im besten Sinne des Wortes. Unabhängig von organisatorischer Trittbrettfahrerei und Karrierismus, wird das Institut für Kulturforschung Heidelberg getragen vom gemeinsamen Interesse an intellektueller Arbeit abseits ausgetretener Pfade. Das Institutsleben und der Umgang miteinander sollen mit anderen Worten frei sein von Organisationszwängen und akademischer Distinktion. Unser Institut ist ein Freiraum, der uns Selbstständigkeit, Distanz zu eigenen Privilegien und zivilpolitische Aufgeklärtheit ermöglicht.